Aktuelles Bürgerforum Stadtinformationen Wirtschaftsinformationen Tourismusinformationen
kontakt home newsletter stadtplan sitemap impressum
 
Rathaus  
Bürgermeister  
Stadtverordneten-
versammlung
 
 
Kalender SVV  
Kalender aller
Ausschüsse
 
Video der SVV  
Bekannt-
machungen
 
Recherche  
Stadtverordnete  
Ausschüsse  
Fraktionen  
Ortsrecht  
Mitteilungen  
Finanzen  
   


 
Vorlage - SVV/0028/2003
 
 
 
Betreff: Information über die Durchführung des Projektes "Errichtung eines Informations- und Dokumentationszentrums über Ortsabbruch und bergbaubedingte Umsiedlung im Lausitzer Braunkohlerevier" im Ortsteil Horno der Stadt Forst (Lausitz)
Status:öffentlichVorlage-Art:Informationsvorlage
Verfasser:Dr. Kußmann
Federführend:Haupt- und Personalamt Beteiligt:Dezernent III
Bearbeiter/-in: Rattey, Karin   
Beratungsfolge:
Haupt- und Petitionsausschuß Vorberatung
03.12.2003 
1. Sitzung des Haupt- und Petitionsausschusses zur Kenntnis genommen   
Stadtverordnetenversammlung Entscheidung
12.12.2003 
1. Sitzung der Stadtverordnetenversammlung zur Kenntnis genommen   

Beschlussvorschlag:

Information:

 

Die Stadtverordnetenversammlung Forst (Lausitz) nimmt die Information über die Durchführung des Projektes “Errichtung eines Informations- und Dokumentationszentrums über Ortsabbruch und bergbaubedingte Umsiedlung im Lausitzer Braunkohlerevier” im Ortsteil Horno der Stadt Forst (Lausitz) zur Kenntnis.

Erläuterungen:

Erläuterungen:

 

Die ehemalige Gemeinde Horno wird aufgrund der durch den Braunkohletagebau Jänschwalde bedingten bergbaulichen Inanspuchnahme derzeit an einen gemeinsamen Neuansiedlungsstandort in Forst (Lausitz) umgesiedelt, das Wiederansiedlungsgebiet ist seit September 2003 ein Ortsteil der Stadt Forst (Lausitz). Im neuen Ortsteil Horno wurde u.a. ein kommunales Gemeindezentrum sowie die Kirche neu errichtet, außerdem wird auch die Hornoer Museumsscheune (landwirtschaftliche Ausstellung) am neuen Standort wieder aufgebaut.

 

Im Rahmen des Umsiedlungsprozesses hat sich die Idee und das Vorkonzept zum Thema "Aufarbeitung und Dokumentation der regionalen bergbauverursachten Ortsabbruch- und Umsiedlungsgeschichte im Lausitzer Braunkohlenrevier bei besonderer Berücksichtigung des sorbisch (wendischen) Siedlungsraumes und der sorbisch (wendischen) Geschichte" entwickelt. Das Projekt soll im Ortsteil Horno der Stadt Forst (Lausitz) umgesetzt werden. Die bislang aktiv an der Projektentwicklung beteiligten Akteure (Ortsbeirat und Stiftungsbeirat Horno, Evangelische Kirchengemeinde Horno, DOMOWINA, Vattenfall Europe Mining AG und die Stadt Forst (Lausitz)) haben die Projektidee grundsätzlich begrüßt und wollen sich im weiteren für ihre Realisierung einsetzen.

 

Die Stadt Forst (Lausitz) hat das im Auftrag der Vattenfall AG aufgestellte Vorkonzept zu einem Projektkonzeptentwurf weiterentwickelt, dieser Entwurf soll im Weiteren einer Vereinbarung zwischen den Beteiligten zugrunde gelegt werden. Diese Vereinbarung wird der Projektauftrag an alle Beteiligten zur zielgerichteten und qualifizierten Weiterführung des Projektes und regelt die grundsätzlichen Modalitäten zur Projektträgerschaft, zur Projektstruktur, zur planerischen und technischen Umsetzung sowie zur Finanzierung. Die Vereinbarung (der Projektauftrag) wird derzeit endabgestimmt und soll voraussichtlich Ende Januar 2004 von den Beteiligten unterzeichnet werden. In der nächsten Stadtverordnetenversammlung soll der endverhandelte Entwurf der Vereinbarung beraten und beschlossen werden. Die Vattenfall Europe Mining AG hat sich bereits grundsätzlich zur Bereitstellung von Finanzmitteln für dieses Projekt bereit erklärt; die Stadt Forst (Lausitz) wird in dieses Projekt anteilig Eigenmittel - vorrangig Personal- und Sachaufwendungen aus ihrer bestehenden Struktur - einbringen (u.a. einen Projektleiter; Bereitstellung von technischer Infrastruktur etc.)

 

In der heutigen Sitzung wird der Stadtverordnetenversammlung Forst die Projektidee und das Grobkonzept zum geplanten Projekt "Errichtung eines Informations- und Dokumentationszentrums über Ortsabbruch und bergbaubedingte Umsiedlungen im Lausitzer Braunkohlerevier" im Ortsteil Horno der Stadt Forst (Lausitz) vorgestellt.

 

Die wesentlichen Ziele und Inhalte werden im folgenden kurz skizziert:

 

Das Ziel: Eröffnung des DIZ im Januar 2006

Am 1. Januar 2006 öffnet das “Dokumentations- und Informationszentrum für bergbaubedingte Umsiedlungen von Gemeinden im Lausitzer Braunkohlerevier” (DIZ Horno) seine Pforten. Es hat vier Aufgabenbereiche. Es soll:

  • das Thema Umsiedlung präsentieren,
  • wissenschaftliche Arbeit leisten,
  • durch Bildungsarbeit das Wissen über Ortsumsiedlungen vermitteln,
  • Informations- und Dokumentations-Dienstleistungen erbringen.

Die Öffentlichkeit kann sich über das Thema “bergbaubedingte Umsiedlung” in einem breitgefächerten Ausstellungsbereich des DIZ informieren. Kernstück der Präsentation ist die Dauerausstellung im Gemeindezentrum Horno. Dort erwartet den Besucher eine zeitgemäße Schau, die mit zahlreichen multimedialen Anwendungen in die Umsiedlungsthematik einführt.
In unmittelbarer Nähe zum Gemeindezentrum erfährt der Besucher im Kirchlichen Dokumentationszentrum Einzelheiten über das Schicksal von kirchlichen Bauten und Kirchengemeinden, die von Devastierungen betroffen wurden. Wenige Meter vom Kirchlichen Dokumentationszentrum entfernt wiederum kann er sich in der neugestalteten Museumsscheune über die Agrargeschichte des alten Hornos informieren. Die virtuelle DIZ-Ausstellung auf CD-ROM und im Internet ermöglichen es, die Ausstellungsinhalte auch ortsunabhängig abzurufen.

Das DIZ stellt ab Januar 2006 Räumlichkeiten und Infrastruktur bereit und unterhält außerdem eine eigene wissenschaftliche Publikationsreihe. Ferner wartet es mit einem Bildungsangebot auf: In Seminarveranstaltungen informieren sich Vertreter betroffener Gemeinden, Behörden und Unternehmen eingehend über alle Bereiche der Devastierungs- und Umsiedlungsproblematik. Zusätzlich führ das DIZ Fachtagungen zu Schwerpunktthemen durch. Schließlich steht ab Anfang 2006 eine Serviceabteilung des DIZ Interessierten und Betroffenen zur Verfügung. Hier werden Dokumentationen zu speziellen Fragestellungen erstellt und Lehrmaterial für Bildungseinrichtungen konzipiert.

Für die laufenden Arbeiten unterhält das DIZ eine wissenschaftliche Sammlung. In Archiv, Bibliothek und Sachgut-Magazin des DIZ stehen Zeitzeugen- und Medienberichte, Fachliteratur und museales Sammlungsgut aus devastierten Gemeinden zur Auswertung bereit.

 

Ausgangssituation: Ist-Stand Jahresende 2003

Der Braunkohlebergbau hat die Lausitz in den letzten 150 Jahren maßgeblich geprägt. Seit dem Übergang zum Tagebaubetrieb im frühen 20. Jahrhundert wurden umfangreiche Flächen devastiert. Mehr als 25.000 Menschen mußten seit den zwanziger Jahren ihre Wohnsitze räumen, fast 130 Ortschaften wichen ganz oder teilweise dem Bergbau. Dennoch gibt es in der Region bislang keine kulturelle Einrichtung, die sich dieser Thematik widmet. Für die Einrichtung eines solchen Zentrums in Horno sprechen drei Gründe:

  • die Vorgeschichte der Umsiedlung Horno mit einem langjährigen Konflikt um die beabsichtigte Abbaggerung;
  • die Schwerpunktverlagerung des Lausitzer Braunkohlereviers an die Neiße;
  • das wachsende Interesse in Polen für Braunkohle und deren Problemfelder.

Die für die Unterbringung des DIZ erforderliche Baulichkeiten sind in Horno bereits fertiggestellt oder sehen ihrer Fertigstellung in Kürze entgegen. Neben einer Dokumentationsstätte im Hornoer Gemeindezentrum bestehen auch von kirchlicher Seite Planungen für eine eigene Dokumentation zur Umsiedlungsthematik. Beide Konzepte sollen in das DIZ integriert werden.

Im Vorfeld der Devastierung von Horno werden seit mehreren Jahren umfangreiche wissenschaftliche Forschungsprojekte in Horno durchgeführt, auf die das Projekt zurückgreifen kann. Dazu gehören archäologische und baugeschichtliche Untersuchungen durch das Brandenburger Landesamt für Denkmalschutz und Archäologie, ortsgeschichtliche Arbeiten, ethnologische Untersuchungen am Sorbischen Institut e.V. Bautzen und Projekte zu Einzelthemen sowie Projekte zu wissenschaftlichen Einzelaspekten (z.B. Gärten und Grünanlagen, Flurnamen, Flurverhältnisse).
Weitere, für das Projekt nutzbare Ressourcen stellen die - weitgehend fertiggestellte - Chronik von Horno dar und das in Horno derzeit geborgene Sachgut ländlicher Alltagskultur dar.

 

Beteiligte

Der engere Kreis der Projektbeteiligten besteht aus den Hauptauftragsgebern, der Stadt Forst (Lausitz) und der Vattenfall Europe Mining AG, sowie den Projektinitiatoren (Ortsbeirat Horno, Stiftungsbeirat Horno, Ev. Kirchengemeinde Horno, Domowina). Diese Institutionen werden in unterschiedlichem Maße durch Finanz- oder Arbeitsleistungen zum Projekt beitragen und Vertreter in die Projektgruppe senden. Weitere Beteiligte sind der Landkreis Spree-Neiße und das Institut für Neue Industriekultur.
Außerdem werden für bestimmte Projektphasen externe Kooperationspartner herangezogen. Dazu zählen Wissenschaftler aus den o.g. Projekten sowie noch näher zu bestimmende Kultur-, Museums- und Planungseinrichtungen.

 

Inhalte

Das DIZ wird sich der Umsiedlungsproblematik ausgehend vom Fallbeispiel Hornos nähern. Eine mikrohistorische Vorgehensweise (,das Große im Kleinen schauen‘), die nicht nur Geräte und Arbeitsalltag, sondern auch die kulturell-sozialen Aspekte des Dorfalltags im historischen Wandel berücksichtigt, entspricht aktuellen historiographischen Ansätzen und Methoden. Ausgehend von der gut überlieferten und erforschten Geschichte “vor der Kohle” sind die Erfahrung drohender “Abbaggerung”, der Widerstands gegen dieses Vorhaben und die Folgen der Umsiedlung für die Betroffenen dargestellt werden. Vergleiche zu anderen Dörfern (z.B. früheren Umsiedlungen in der Umgebung von Forst wie Weißagk, Bohrau usw.) sind dabei anzustellen. Die Darstellung ist in die Entwicklung im Lausitzer Braunkohlerevier insgesamt eingebettet und fragt dabei auch danach, welche Auswirkungen Devastierungen auf sorbische Kultur und auf sorbische Identität haben.

 

Nachhaltigkeit

Die Arbeiten zur Einrichtung des DIZ soll im Januar 2004 aufgenommen werden. Um Erfolg und Nachhaltigkeit des Projekts zu gewährleisten, wurden Kriterien definiert, die zu bestimmten Terminen erfüllt sein müssen, um das Projekt weiterzuführen (Abbruchkriterien). So sieht die Planung insbesondere vor, daß sich die Projektbeteiligten bis Ende September 2004 auf ein Betreibermodell und ein zukünftiges Finanzierungsmodell für das DIZ ab 2006 abgestimmt haben.

 

 

 
 


aktuelles | bürgerforum | stadtinformation | wirtschaft | tourismus
kontakt | datenschutz | impressum | meinforst | sitemap | home